Ein sonderbarer Zug

Wie ein paar Tölzer auszogen, um Köln zu erobern

Was macht ein Fan, wenn die Saison vorbei ist und er noch immer Lust auf Eishockey hat? Zum Glück gibt es Weltmeisterschaften. Die lindern die übelsten Entzugserscheinungen - unter denen offensichtlich ziemlich viele leiden. Sage und schreibe 700 Fans fuhren mit einem Sonderzug des VDEFC nach Köln, um die Partie Deutschland gegen die Schweiz zu sehen. Der VDEFC ist übrigens der Verband der Deutschen Eishockey-Fanclubs, dem auch der Freundeskreis ECT angehört.
Worum es in den nächsten Stunden gehen sollte, das ließ sich schon im Münchner Hauptbahnhof erahnen. Erdinger Fans liefen mit Tabletts durch die Bahnhofshalle. Sie verteilten ein schwabbeliges Etwas, das wie Wackelpudding aussah, sich wie Wackelpudding anfühlte - aber nicht so schmeckte. Wenigstens nicht wie der Klassische. Denn die Erdinger hatten das Wasser durch Wodka ersetzt. Klingt pervers, schmeckt aber nach mehr. Und mehr gab es im Zug, der sich gegen Mitternacht in Bewegung setzte.
Zu unserer Verblüffung liefen uns dort ganze Horden Klosterseer und Peitinger über den Weg. So viele Fans aus diesen beiden Orten haben wir noch nie auf einen Haufen gesehen. Ja sogar Geretsrieder Fans entdeckten wir (Die gibt's tatsächlich!).
Im Zug tobte das Leben. Der DJ des VDEFC heizte in den beiden Tanzwagen ein. Allerdings in einer so ohrenbetäubenden Lautstärke, dass Magen, Leber und Niere im Bauch Karussell fuhren. Nichts für Sensibelchen. Aber mit einem gewissen Quantum an Bier lässt sich das überhören. Und ein gewisses Quantum hatte bei der Ankunft in Köln nach zehnstündiger Fahrt fast jeder intus: 1600 Liter wurden auf der Hinfahrt vernichtet.
Kein Wunder, dass dem Einen oder Anderen bei der Ankunft in Köln die körperliche und mentale Frische etwas abhanden gekommen war. Nach einem mehrstündigen Bummel durch die Kölner Altstadt war in der Kölnarena endlich Entspannung angesagt. In der gigantisch großen Halle mit ihren gemütlichen, weichen Liegesesseln wurden die Augenlider schwer wie Garagentore. Hier und da war ein sägend-schnarchendes Geräusch zu vernehmen - obwohl die Partie Deutschland gegen die Schweiz alles andere als langweilig war. Tolle Stimmung in der Kölnarena - an den Blöcken 616 und 617 lag's bestimmt nicht (hier saßen, pardon schliefen die Sonderzug-Fahrer).
Immerhin hatten die meisten während dieses Spiels wieder so viel Energie getankt, dass sie bei der Rückfahrt wieder bis zum Morgengrauen singen, tanzen und natürlich trinken konnten. Um 11.30 Uhr kamen wir wieder in Tölz an - etwa 36 Stunden, nachdem wir gestartet waren. Ein Härtetest, sogar für hartgesottene Eishockeyfans.
Stellt sich nur die Frage: Wann fährt endlich der nächste Sonderzug?

Die Tölzer Reisegesellschaft: Heidi Zeller, Wolfgang Steger, Peter Miesen, Michael Glatz, Jörg Haucke, Patrick Staar,...
 
Die exklusiven Fotos gibt’s hier ...