„Der Trainer ist sehr streng“

Interview mit ECT-Routinier Jedrzej Kasperczyk

Wohl kaum ein anderer Spieler hat bei so vielen deutschen Eishockeyclubs gespielt wie Jedrzej Kasperczyk. Der ECT ist bereits seine zehnte Station, doch auch mit 36 Jahren ist er noch immer fast unverzichtbar und der drittbeste Scorer der Tölzer Löwen. Tatjana Haßmann sprach mit „JayJay“ über seine Eindrücke in Bad Tölz und seine lange Karriere.

Wie hat das bei dir mit dem Eishockey angefangen?

Jedrzej Kasperczyk: Das ist eine witzige Geschichte. Meine Mama hat immer zu mir gesagt: „Es gibt drei Dinge, die du nicht machen darfst. 1. Boxen; 2. Speedway fahren und 3. Eishockey spielen.“ Bei uns in der Gegend war es aber so, dass alle Jungs Eishockey gespielt haben und ganz in der Nähe von meinem Zuhause auch ein Eissportzentrum war. Außerdem war ein Cousin von mir schon in der 1. Mannschaft als ich noch ganz klein war. In der Schule habe ich mit neun Jahren angefangen und bin dabei geblieben. Anfangs natürlich heimlich, damit meine Mama nichts gemerkt hat. Irgendwann hatte ich ein paar kaputte Ausrüstungsteile. Die habe ich mit heim genommen, damit sie meine Oma reparieren kann. Die hat dann allerdings meine Mama gesehen und ich musste ihr gestehen, dass ich bereits seit zwei Jahren heimlich spiele. Das hat sie umgehauen. Aber dann ist sie mal mit zu einem Spiel gekommen und war ab da immer auf der Tribüne dabei.

Du hast in Deutschland schon bei neun Vereinen gespielt. Wo hat es dir am besten gefallen?

JJ: In Kassel hatte ich meine beste Zeit. Dort war ich ja auch drei Jahre lang. Der sportliche Erfolg war da und mit der Mannschaft hat auch alles super gepasst. Auch heute habe ich dort noch viele Freunde, die nichts mit dem Eishockey zu tun haben. Dort hatte ich echt viel Spaß!

Und wo hat es dir am wenigsten gefallen?

JJ: In Wedemark. Zu dieser Zeit war meine Frau gerade schwanger und es ging ihr sehr schlecht. Es war eine sehr schwierige Schwangerschaft und ich hatte daher alles andere im Kopf außer Eishockey. Daher lief es bei mir auch nicht so besonders. Tja - und daher bin ich in dieser Saison schon Weihnachten nach Neuwied gegangen.

Was hier alle interessiert.... wie war das mit Bremerhaven? Steht da noch Geld aus?

JJ: Ja, das stimmt. Das letzte Gehalt hat die Mannschaft im Januar bekommen. Dann wurden wir immer nur hingehalten. Ich hätte dort für ein weiteres Jahr einen Vertrag gehabt, aber da das mit den Zahlungen nicht mehr geklappt hat, musste ich mir was überlegen. Ich habe eine Familie. Ich muss schauen, dass wir abgesichert sind. Da kann ich mich nicht auf so eine Hinhaltetaktik einlassen und monatelang auf mein Geld warten. Daher habe ich in Berlin bei den Capitals einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Die Spieler, die in Bremerhaven geblieben sind, haben mittlerweile ihr Geld bekommen. Ich habe vor kurzem mit den Verantwortlichen gesprochen, als wir in Bremerhaven gespielt haben. Dort gibt es jetzt einen neuen Vorstand. Doch auch dieser hat mich weiterhin vertröstet. Jetzt habe ich mir einen Anwalt genommen, um zu meinem Geld zu kommen. Aber so wie mir geht es auch noch anderen. Marko Suvelo zum Beispiel, der hat das fehlende Geld auch noch nicht. Auch der hat einen Anwalt eingeschaltet.

Wie kam dann der Wechsel nach Tölz zu Stande?

JJ: Nachdem ich aus Polen, wo ich meinen Urlaub verbracht habe, zurück gekommen bin, habe ich im Internet über die Situation bei den Capitals gelesen. Dann habe ich natürlich gleich beim Lorenz Funk sen. angerufen und nachgefragt. An diesem Tag konnte er mir allerdings keine Auskunft mehr geben, sondern ich musste bis zum nächsten Tag warten. Dann haben sich die Befürchtungen bestätigt und die Berliner waren pleite. Daraufhin, hat mir Funk gleich ein paar Telefonnummern von Vereinen genannt, die Interesse an mir hatten. Die haben ich dann angerufen. So kam auch der Kontakt mit Klaus Mangold zu Stande. Natürlich waren da auch andere Angebote, aber die waren alle nicht konkret genug. Da war alles so „wischiwaschi“. Aber mit dem Klaus war ich mir sehr schnell einig und die Sympathie war auch gleich da. Auch meine Familie war für diesen Wechsel nach Bad Tölz und tja... da bin ich!

Wie ist dein bisheriger Eindruck?

JJ: Meiner ganzen Familie gefällt es hier sehr gut. Es ist halt ganz was anderes. Die letzten zwei Jahre waren wir am Meer und nun sind wir in den Bergen. Wir warten schon auf den ersten Schnee. Die Leute sind hier alle sehr nett und hilfsbereit. Wenn man was braucht, ist immer jemand da. Mittlerweile haben wir auch eine sehr schöne Wohnung!

Und wie beurteilst du die Mannschaft bzw. den Trainer? Wie weit werden wir kommen?

JJ: Grundsätzlich haben wir eine sehr gute Mannschaft Eine richtige Voraussage kann ich jetzt noch nicht treffen. Erst mal sollten wir die Play- offs schaffen. Dort ist alles möglich. Das hat man vergangenes Jahr in Bremerhaven gesehen. Da sind wir trotz des fehlenden Geldes Meister geworden. Zum Trainer... ja, was soll ich da sagen? Er ist ziemlich streng und verlangt sehr viel Disziplin. Es gibt viele Verbote bezüglich Essen und Trinken. Ich bin aber der Meinung, dass jeder von uns selbst weiß, was gut für ihn ist und wie man sich vor einem Spiel verhält.

Wo liegen deine Stärken und Schwächen?

JJ: Als Stärke sehe ich bei mir selbst, dass ich sehr mannschaftsdienlich spiele. Ich bin mehr ein Spielmacher als ein Torjäger. Ich mache meinen Job und die Hauptsache ist, dass das Team gewinnt. Meine Schwäche ist dass ich manchmal zu ruhig bin, und das nicht nur auf dem Eis. Ansonsten sollen das lieber Experten beurteilen.

Was planst du für die Zeit nach dem Eishockey? Wie soll’s da beruflich bei dir weitergehen?

JJ: Das frag ich mich allerdings auch! Bisher habe ich mir da noch nicht so konkret Gedanken gemacht. Ich wäre gerne selbstständig, eine Kneipe hätte ich ganz gerne. Oder eine Disco... mal sehen, was die Zukunft bringt.

Jedrzej Kasperczyk:

Geburtsort: Kattowitz (Polen)

Nationalität: deutsch und polnisch

Geburtstag: 20. Mai 1968

Familienstand: verheiratet, 1 Tochter

Größe/Gewicht: 1,75 m, 82 kg

Bisherige Vereine: Naprod Janow (Polen), Iserlohn, Hedos München, Hannover, Kassel, Wedemark, Neuwied, Nordhorn, Hamburg, Bremerhaven (185 Spiele, 50 Tore, 72 Vorlagen, 122 Punkte, 93 Strafminuten)

Länderspiele: Senioren 7 (1 Tor für Polen), Nachwuchs-Länderspiele 42 (16 Tore für Polen), Teilnahme an den U20-Weltmeisterschaften in der CCSR (1987) und Russland (1988)

Hobbys: Fahrrad fahren, Tennis spielen, mit meiner Familie in den Urlaub fahren und mich mit alten Freunden treffen.

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