"Wenn der Einsatz nicht stimmt, werde ich sauer" - Interview mit ECT-Trainer Georg Holzmann


Geburtsort: Pfronten
Geburtsdatum: 5. März 1961
Familienstand: verheiratet; 2 Söhne - 9 und 16 Jahre alt
Größte Erfolge: Teilnahme an zwei Olympischen Spielen (5. und 6. Platz), Teilnahme an sechs Weltmeisterschaften

Als die Fans schon allmählich zu murren begannen, verpflichtete der ECT endlich einen Trainer: "Eisenschorsch" Holzmann. Eine schillernde Figur im deutschen Eishockey. Holzmann bestritt spielte sage und schreibe 19 Jahre in der ersten Bundesliga, bestritt 835 Spiele und schoss über 300 Tore. Sogar ein eigenes Buch wurde über ihn geschrieben. Unser 2. Vorstand Tatjana Haßmann sprach mit ihm über seine Karriere, den ECT und die Tölzer Fans.
 
Wie bist Du zum Eishockey gekommen?

Georg Holzmann: Durch Freunde. Alle meine Freunde haben damals Eishockey gespielt. Außerdem gab's   in Pfronten nicht viel Auswahlmöglichkeiten. Skifahren oder Eishockey waren die Wintersportarten, die möglich waren. Dazu kam, dass mein Schwager (Anm. d. Red.: Herbert Stowasser) damals schon Nationalspieler war - mein großes Vorbild.

Wie ging's dann für Dich weiter? Erzähl doch mal was über Deine weitere Laufbahn.

Holzmann: Bis ich 12 Jahre alt war, habe ich in Pfronten gespielt. Dann bin ich nach Füssen gewechselt, da die Nachwuchsarbeit dort noch besser war. Dort war ich dann bis zu meinem 21. Lebensjahr. Aufgrund von Geldmangel hat mich dann der EV Füssen nach Düsseldorf verkauft. Das war damals mit den Ablösesummen noch ganz einträglich. Nach zwei Jahren bin ich dann nach Schwenningen und nach weiteren zwei Jahren nach Mannheim. Auch dort blieb ich zwei Jahre, bis ich schließlich in Berlin gelandet bin. Dort habe ich ganze zehn Jahre verbracht und drei Vereinsnamen erlebt- erst Preußen Berlin, dann Berlin Devils und schließlich die Capitals. Die Trainerscheine habe ich nebenbei gemacht. Nachdem ich dann meine Aktiven-Laufbahn beendet hatte, kam auch schon der Anruf vom Vorstand des EV Füssen. Die brauchten damals dringend einen Trainer und so sagte ich zu.

Wie kam's zum Kontakt mit Tölz und dem Vertragsabschluss?

Holzmann: Eigentlich hatte ich bereits einen Vertrag in Hamburg unterschrieben. Als da dann der Hauptsponsor abgesprungen ist, wurde mein Vertrag gelöst. Der Spielervermittler Metz, der auch schon manchmal für mich tätig war, hat dann gleich mit Klaus Mangold Kontakt aufgenommen. Dass ich mit dem Klaus einig geworden bin, war für mich zum Einen sportlich die bessere Alternative und zum Anderen bin ich so näher bei meiner Familie.

 Hattest Du weitere Angebote außer von Tölz?

Holzmann: Ich habe mich dann gar nicht mehr anderweitig bemüht. In der Früh hat sich entschieden, dass in Hamburg Feierabend ist und am Abend hat mich auch schon der Klaus Mangold angerufen.

Nachdem du recht spät verpflichtet wurdest: Wie viel Mitsprachemöglichkeit hattest Du bei der Zusammenstellung des Teams?

Holzmann: Nicht mehr sehr viel. Alle Positionen waren bereits besetzt, außer die von King, Mann und Hede. Bei denen konnte ich noch mitentscheiden.

Wie ist dein Verhältnis zur Mannschaft? Eher kumpelmäßig oder eher distanziert?

Holzmann: Ich versuche, eine gute Mischung zu finden. Zum Team gehört auch der Trainer. Meiner Meinung nach sind die Zeiten der  Trainer vorbei, die vollkommen auf Distanz gehen und überhaupt keinen persönlichen Kontakt haben. Aber ein gewisses Maß an Distanz muss sein, damit der Respekt bestehen bleibt.

Was erwartest du von deinen Spielern? Was kannst du absolut nicht leiden?

Holzmann: Fehlenden Einsatz kann ich nicht oder nur schwer ertragen. Wenn's mal nicht läuft - o.k. Aber wenn der Einsatz nicht stimmt, werde ich sauer! Was mir wichtig ist, ist neben den sportlichen Aspekten generell das Auftreten der Mannschaft in der Öffentlichkeit. Daher finde ich das neue Outfit (Anzug und zum Teil Krawatte), das uns ein Sponsor ermöglicht hat, ziemlich gut. Außerdem sollte ein Team nie den Bezug zu seinen Zuschauern und Fans verlieren, denn der ist sehr wichtig.

Wo siehst du die Stärken und Schwächen der Mannschaft?

Holzmann: Wir haben sicher eine spielstarke, technisch und läuferisch sehr gute Mannschaft. Manchmal allerdings sind mir die Jungs aber etwas zu verspielt und unkonzentriert. Das hat man ja zum Beispiel beim 2:6 in Regensburg gesehen. Daran werden wir aber noch arbeiten.

Im Rückblick auf letzte Saison - gab es da den ein oder anderen Spieler, den du gerne behalten hättest?

Holzmann: Sicher! Es sind leider mehr Leistungsträger gegangen, als geholt werden konnten. Der Grund ist sicher im reduzierten Etat zu sehen. Allerdings sind so Leistungsträger wie Valenti, Suchan oder Wieland auch nur schwer zu ersetzten. Auch auf den Ausländerpositionen hätte ich z.B. den Ilpo oder auch den Yanick gerne gehabt. Aber das konnte sich der ECT eben einfach nicht mehr leisten. Aber im Großen und Ganzen muss man sagen, dass die meisten Abgänge einigermaßen kompensiert werden konnten. Die Mannschaft muss sich erst noch richtig zusammen finden und aufeinander einstellen.

Wie schaut dein sportliches Ziel für diese Saison aus?

Holzmann: Erst mal natürlich die Play-off-Teilnahme mit einer möglichst guten Ausgangsplatzierung. Allerdings ist bei der Ausgeglichenheit des Liga meiner Meinung nach zwischen Platz drei und acht alles drin. Wenn wir das geschafft haben, sehen wir weiter!

Zu deiner Beteiligung bei der 1b Mannschaft - wirst du spielen?

Holzmann: Meine Zusage habe ich für zwei oder drei Spiele gegeben. Das hängt ganz davon ab, wann die einzelnen Spiele sind und ob ich da Zeit habe.

Was machst Du sonst in deiner Freizeit?

Holzmann: Alles, was mit Sport zu tun hat. Ich bin der begeisterte Sportler schlechthin. Besonders gerne gehe ich zum Bergwandern, Laufen oder Mountainbike fahren.

Dein Kommentar zur Tölzer Stadionproblematik?

Holzmann: Das Stadion ist sicher ein heikles Thema. Es ist natürlich klar, dass auf Dauer ein neues  Stadion gebaut werden muss. Denn Aufgrund der Parkplatzsituation, der Bausubstanz und nicht zuletzt den Problemen mit den Nachbarn, hat das Stadion dort, wo es jetzt steht, keine Zukunft. Andererseits bringt so ein Neubau viele Probleme mit sich. Und damit meine ich nicht nur die finanziellen. Zum Beispiel muss für jede Kleinigkeit bezahlt werden, wenn das Stadion nicht mehr dem Verein gehört. Zum Beispiel bestimmt der Eigentümer, wann Spiele stattfinden können. Dann ginge es dem ECT vielleicht so wie den Regensburgern. Da muss ein Spiel verlegt werden, weil da die Kastelruther Spatzen auftreten......?!!

Wie beurteilst Du die Fans?

Holzmann: Was die Fans anbetrifft... grundsätzlich muss man meiner Ansicht nach zwischen Fans und "normalen" Zuschauern unterscheiden. Tölz ist ein Traditionsverein, der schon Eishockeygeschichte geschrieben hat. Da sind die Fans nicht mehr so euphorisch, wie es bei so "Hauruck"-Vereinen der Fall ist. Grundsätzlich bin ich mit dem Tölzer Publikum zufrieden und wenn das Spiel gut ist, kommt die Stimmung ganz von allein. Außerdem muss ich gestehen, wenn es nur  so Zuschauer gäbe wie mich, dann wäre in so einer Halle gar keine Stimmung.

Psycho-Schaukel:

1. Politik - notwendiges Übel
2. Sommer - Freizeit
3. Geld - schon wichtig
4. Disziplin - noch wichtiger
5. Wochenende - viel Reiserei
6. DEL - verbesserungswürdig
7. Familie - starker Rückhalt
8. Zukunft - so leben wie bisher
9. Heimat - bin sehr heimatverbunden
10.Fans - Stimmung