Vier Narren beim Deutschland-Cup |
| Was treibt Menschen mit einem akzeptablen
Intelligenzquotienten dazu, sich den Deutschland-Cup in
Hannover anzusehen, zwei Wochen nach dem Ende der Expo?
Warum fahren Leute 700 Kilometer weit, um bedeutungslose
Eishockey-Länderspiele zu sehen, mit Spielern, die
niemand kennt und die in ihren Clubs nur Mitläufer sind?
Eine gute Frage, auf die vier Freundeskreis-Mitglieder
die Antwort wissen: Jörg Haucke, Michael Glatz, Jörg
Noack (Ossi) und meine Wenigkeit fuhren zu diesem
Turnier. Der wichtigste Grund, warum wir in den hohen Norden aufbrachen, sind die Erzählkünste unseres Präsidenten. Er schilderte das, was kommen wird, so lange in den leuchtendsten Farben, bis wir zur Überzeugung kamen, dass unser Leben in weiten Teilen verpfuscht ist, wenn wir nicht mitfahren. Grund Nummer zwei nach Hannover aufzubrechen: Die Neugier. Wir waren gespannt darauf, wie die neu gebaute Preussag-Arena aussieht. Maximales Fassungsvermögen, 14000 Zuschauer, 36 Klub- und sechs Partylogen, 22 Bistros, ein Restaurant mit 450 Plätzen, und dazu unzählige Souvenirstände. Ein Kölner Eishockeyfan bezeichnete das Gebäude in Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vollmundig als die schönste Eishockeyhalle in Deutschland. Unser Urteil nach fünf Tagen fiel nicht ganz so euphorisch aus: Die Preussag-Arena ist in der Tat ein schönes Gebäude, aber unter einer Eishockeyhalle verstehen wir etwas anderes. Als Tölzer Fan ist man es gewohnt, dass man bei Heimspielen hin und wieder im Schneeflockenwirbel steht und dass man seinen Glühwein schnell trinken muss, weil er sonst im Becher einfriert. In einer voll klimatisierten Prunkhalle mit Polstersesseln will nicht die richtige Eishockeystimmung aufkommen. Man fühlt sich beim Blick durch die Arena an die Füssener Luxushalle erinnert, wo das Motto gilt: Auf den billigen Plätzen klatschen, auf den teuren mit den Juwelen rasseln. Dass in Hannover auf den Rängen trotz allem keine Grabesstimmung herrschte, lag an der BMD, der Bunten Mischung Deutschland. Die BMD ist ein loser Zusammenschluss von 300 friedlichen, sangesfreudigen Eishockeyfans aus ganz Deutschland, inoffiziell der Fanclub der deutschen Nationalmannschaft. Alle haben in Sachen Eishockey - im positiven Sinn - einen Sprung in der Schüssel. Einige hätten das Zeug zum Schauspieler: Als Beispiel sei der Weidener Eishockeyfan Bobby genannt, der in der S-Bahn die Fahrgäste aus Hannover schwindlig redete. Mit seiner Galavorstellung hätte er bei jeder Comedyshow stehende Ovationen bekommen. Das typische BMD-Mitglied ist aber nicht nur leicht verrückt und sangesfreudig, sondern auch dem Bier nicht abgeneigt. Ein Lied davon singen können die Wirtsleute der Kneipe Nordlicht in Wunstorf, einem Vorort von Hannover. Wie im Internet verabredet, fielen dort am 11.11 um 11.11 Uhr, 50 grün, rot, schwarz und gelb kostümierte Gestalten ein. In den folgenden sieben Stunden floss Alt und Jever in selbst für Eishockeyverhältnisse rauen Mengen. Sieben Stunden klang gabs kein Erbarmen mit dem Zapfhahn. Wo sich die Wirtsleute jetzt aufhalten, wissen wir nicht. Vermutlich sonnen sie sich in der Karibik kein Problem mit diesen Einnahmen. Gegen 18 Uhr ging es zurück nach Hannover. Übrigens im Mannschaftsbus der Hannover Indians, der kurzfristig gechartert wurde. Dass die Fahrt nicht nur für die Wirtsleute, sondern auch für uns zum Erlebnis wurde, lag an Mike Görtz, einem leidenschaftlichen Tölzer Eishockeyfan aus Hannover. Bei ihm möchten wir uns dafür bedanken, dass er uns fünf Tage ertragen und in seiner Einzimmerwohnung einquartiert hat. Was die örtlichen Zeitungen über das Treffen in Wunstorf berichtet haben, findet Ihr übrigens unter der Internet-Adresse: www.bunte-mischung.de Patrick Staar |