Mit der
Partie gegen den REV Bremerhaven am vergangenen Sonntag
ging beim EC Bad Tölz eine Ära zu Ende: Huaba-Bua Franz
Demmel hängte nach 14 aktiven Jahren in der Tölzer
Ersten - unterbrochen nur von den "Eskapaden"
mit dem SV Bayreuth (2. Bundesliga, 22 Spiele) und den
Kölner Haien (DEL, 161 Spiele) - die Schlittschuhe an
den Nagel. Mit Franz Demmel sprach TK-Redakteur Wolfgang
Stauner über Karriere, die Trainingsarbeit mit dem
Tölzer DNL-Team und über Bad Tölz als
Eishockey-Standort.450 Spiele im Dienste des EC Bad
Tölz - fällt da der Abschied schwer?
Franz Demmel: "Ich glaub', es waren
452 Spiele, aber ich weiß es nicht genau. Nun, es ist
eine gewaltige Umstellung, wenn man so lang dabei ist.
Ich war zwar nach der vergangenen Saison nach der
Bauchmuskelgeschichte drauf und dran aufzuhören, aber es
ist wieder ganz gut gegangen. Aber Eishockey ist eben
keine Ewigkeitsgeschichte, irgendwann ist eben Schluss,
da bin ich ganz realistisch. Im Endeffekt wird es jedem
nach so einer langen Zeit schwer fallen, die
Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. Im Hinblick auf
die Zukunft war es der richtige Schritt zum richtigen
Zeitpunkt."
Also keine Wehmut, dass Du in der neuen Eisarena, die
am 15. Dezember 2003 eingeweiht werden soll, nicht mehr
als ECT-Aktiver spielen wirst?
Demmel: "Das ist eh ein lustiges
Thema: Wenn eine neue Halle gebaut wird, geh' ich weg.
Das war in Köln schon so (zur Saison 1998/99 wurde die
Köln-Arena in Betrieb genommen, kurz zuvor kehrte Demmel
zum ECT zurück, d. Red.) als ich da weggegangen bin, und
in Tölz ist es jetzt auch so. Es scheint, als ob ich
mich in alten Stadien am wohlsten fühle (lacht). Aber
ich bleibe dem ECT verbunden und werde in der neuen Arena
auch das eine oder andere Mal spielen. Vielleicht in der
1 b, mal sehen."
In zwei Sätzen: Was waren der Höhe- und der
Tiefpunkt Deiner Karriere?
Demmel: "Der Höhepunkt war die
Deutsche Meisterschaft mit dem Kölner EC 1995, die wir
in Landshut gewonnen haben. Aber wenn ich so drüber
nachdenke, fast hätten wir im Jahr drauf als erste
deutsche Mannschaft überhaupt den Europacup der
Landesmeister geholt. Da haben wir im Penaltyschießen
gegen Jokerit Helsinki verloren. Im Vorfeld hatten wir
Dynamo Moskau 4:1 geschlagen, auch Feldkirch, und im
Endturnier stand es gegen Jokerit 3:3. Aber Draisaitl war
dann wieder dafür zuständig, dass der letzte Penalty
auf der Linie liegen geblieben ist. (wie im Olympia-Spiel
Kanada gegen Deutschland 1992, Endstand 3:4, d. Red.).
Das hat man halt nicht so in Erinnerung, weil wir eben
Vize und nicht Meister geworden sind. Und der Tiefpunkt .
. . (denkt nach) . . . war der zweite Innenbandriss kurz
vor der Deutschen Meisterschaft mit Köln. Ich dachte
schon: ,Jetzt ist deine Chancen vertan.' Ich war total am
Ende. Aber nach dreimonatiger Pause habe ich mich zurück
in die Mannschaft gekämpft, und weitere drei Monate
später waren wir Deutscher Meister."
Als Insider und langjähriger Mannschaftskapitän: Wie
steht Du eigentlich zu dem kürzlichen Hickhack zwischen
Pokovic, Peltosara und dem Verein?
Demmel: "Wie das in den meisten
Fällen so ist: Jeder hat ein bisschen recht und ein
bisschen unrecht. Aber worüber wir gar nicht diskutieren
müssen: Wir brauchen eine stabile Torwartleistung, weil
die Mannschaft dann mit Sicherheit eine Perspektive nach
oben hat. Ich traue dem Sami durchaus zu, dass er das
bringt, was von ihm erwartet wird. Dann ist ein
erheblicher Sprung in der Tabelle nach oben möglich. Mit
dieser Einschätzung lag auch Pokovic nicht ganz
verkehrt. Aber bei den beiden hat es auch im
zwischenmenschlichen Bereich gefehlt."
Pokovic, Holzmann, Schlickenrieder, Höfner . . . Die
Liste der Trainer, die Dich auf Deinem aktiven Weg
begleitet haben, ist lang. Wer ist Dir denn besonders im
Gedächtnis haften geblieben?
Demmel: "Eigentlich alle gleich.
Ich hab ja selbst schon früh diverse Trainerscheine
gemacht und hab mich mit der Materie befasst. Jeder hat
Stärken und Schwächen gehabt, da will ich keinen
besonders hervorheben. Jeder hat seinen Stil und da kommt
es darauf an, wie der eben zur Mannschaft passt. Das
hängt auch stark von den Charakteren in der Mannschaft
ab. Meine Lieblingsvorstellung ist ja, dass man über
kurz oder lang zehn, fünfzehn Tölzer in die Erste
reinbringt. Hierfür bin ich momentan an der richtigen
Stelle, um an diesem Fernziel zu arbeiten. Dann ist es
gut, wenn man jemanden hat - wie derzeit Rick Boehm - der
sich mit den hiesigen Verhältnissen auskennt. Da springt
auch der Funke zum Publikum über."
Bleiben wir beim Thema - Du als derzeitiger
DNL-Trainer. Zwölf Niederlagen, ein Sieg und während
der restlichen Saison werden die Junglöwen noch
allerhand Lehrgeld zahlen müssen. Hast Du Dich auf das
Richtige eingelassen?
Demmel: "Heuer darf man nicht Siege
oder Niederlagen zählen. Es ist klar, dass diese Saison
ein Lehrjahr ist, weil man ja erst heuer den Sprung in
die höchste Klasse gewagt hat. Egal, ob Junioren, Jugend
oder Knaben - bislang war es fast immer so, dass Tölz in
der jeweiligen Altersklasse mit dem Nachwuchs in der
höchstmöglichen Liga vertreten war. Mit der
DNL-Mannschaft müssen wir den Anschluss erst wieder
finden. In diesem Bereich wird intensivst gearbeitet.
Mannheim holt sich zum Beispiel die Burschen aus ganz
Deutschland zusammen. Diesen Weg müssen wir in Zukunft
mitgehen. Damit will ich nicht sagen, dass wir möglichst
viele Spieler herholen. Aber unseren Burschen muss von
der Ausbildung das Optimale ermöglicht werden. Dann
können wir mithalten und kriegen dann auch wieder die
Spieler für die erste Mannschaft. Oder vielleicht sogar
weiter - das würde mich sakrisch freuen. Deshalb geht es
heuer nicht so sehr um Siege, sondern um den
Klassenerhalt und darum, den Abstand zu den Top-Teams zu
verringern."
Wo hapert es denn derzeit am meisten?
Demmel: "Im athletischen Bereich
sind wir hinten dran im Vergleich mit den anderen
DNL-Teams. Deshalb müssen wir arbeiten, arbeiten und
nochmals arbeiten, um nach vorne zu kommen. Dafür
müssen die Burschen einen hohen Preis zahlen. Nicht alle
sind dazu bereit, aber den Willigen möchten wir optimale
Möglichkeiten bieten. Und genau deshalb ist die DNL die
richtige Liga."
Eine Investition in die Zukunft?
Demmel: "Genau. Entwicklungen gehen
nicht kurzfristig vonstatten. So ein Konzept muss sich
über 14 Jahre erstrecken. Wenn ich die Spieler in der
DNL so weit haben will, dass sie konkurrenzfähig sind,
muss ich bei den Bambini anfangen. Die Trainer müssen
durchgängig von sechs bis 20 wissen: Wo sind wir, wo
wollen wir hin."
Und für den Nachwuchs schlägt dem Huaba-Bua sein
Herz?
Demmel: "Das macht mir riesigen
Spaß. Da sind immer ein paar dabei, die richtig hart an
sich arbeiten, die von deinen Erfahrung profitieren
wollen. Für die kommenden Saison tüfteln wir schon ein
paar neue Sachen aus: Das kann ein Gewichtheber sein, der
im Kraftraum speziell was macht, oder ein Leichtathlet
für Sprintübungen. Da muss man interdisziplinär
arbeiten. Jeder von den Burschen muss die optimale
Bandbreite bekommen, um für sich das Richtige
rauszusuchen. Überwinden und arbeiten müssen sie
selber, aber an die Hand können wir es ihnen
geben."
Welche Namen aus dem Tölzer Nachwuchs sollte man sich
schon mal merken, die in den kommenden vier, fünf, sechs
Jahren in der Tölzer Ersten oder DEL für Furore sorgen
werden?
Demmel: "Naa, da bin ich strikt
dagegen. Jeder hat seine Zeit beim ECT, und vielleicht
schafft er irgendwann den Durchbruch. Ich möchte keinen
auf Wolke sieben heben, oder einen anderen frustrieren.
Mir geht es darum, jedem Burschen zumindest die
theoretische Chance zu bieten, es zu schaffen. Alle haben
Talent. Wir haben Spieler, die sind 15 Jahre alt.
Entscheidend ist: Was macht derjenige in den nächsten
fünf Jahren. Das fängt beim Lebenswandel an. Die
prinzipielle Einstellung zum Eishockey, Trainingsfleiß -
da gehört alles zusammen. Wer mit 15 einer der
Schwächeren ist, aber dafür der Konsequenteste und
nutzt sein Talent und die Anlagen, dann überholt er alle
anderen. Perspektiven hat ein jeder."
Deine Verabschiedung am Sonntag ist von Vereinsseite
ziemlich sang- und klanglos über die Bühne gegangen _
ähnlich wie beim Teltscher Michi. Ist da noch etwas
Feierlicheres geplant?
Demmel: "Na ja, . . ."
(schmunzelt).
Oder war es noch gar nicht der definitive Abschied vom
Eis und vom ECT?
Demmel: "Also prinzipiell ist kein
Comeback geplant, außer, wenn es wirklich weit fehlt.
Nun müssen die Jungen ran, müssen die Erfahrung
sammeln. Man sieht's am Andreas Kruck oder am Sepp
Kottmair. Die haben das Talent und sind mit Feuereifer
dabei. Die werden das schon richten, hoff' ich."
Ja, ja. Die werden's schon machen: Das haben viele
Experten vor der Saison über die Tölzer Löwen gesagt.
Nun ist es Platz zehn, ein paar Punkte hinter
Playoff-Platz acht. Die Mannschaft hinkt schon etwas
hinter den Erwartungen hinterher . . .
Demmel: "Ich zitiere mich selbst
seit Saisonbeginn: ,Realistisch ist acht bis zehn/. Ich
habe nicht mehr erwartet, sehe momentan aber eine sehr
gute Leistungsentwicklung, vor allem bei den Jungen. Mit
einer stabilen Torwartleistung haben wir die
Möglichkeit, den Sprung nach oben zu machen."
Zum Verein: Du bist seit einem Menschenleben im Verein
als Aktiver, derzeit als DNL-Trainer engagiert. Ist auch
schon ein Posten in der ECT-Vorstandschaft oder
TEG-Geschäftsführung angedacht?
Demmel: "Mich haben/s vor fünf
Jahren mal gefragt, ob ich Vorstand werde. Dazu sage ich
niemals nie, aber die Wahrscheinlichkeit darf man nicht
allzu hoch einschätzen. Das wird man sehen."
Vor dem Hintergrund, dass in zwölf Monaten in einem
neuen Stadion gespielt wird, und dass sich der
Hauptsponsor Schörghuber verstärkt für die Mannschaft
und das Drumherum einsetzt, wäre ein Engagement des
Franz Demmel in der TEG denkbar?
Demmel: "Wenn sie mich brauchen,
stehe ich auf jeden Fall zur Verfügung. Ich werde mich
nie dem Ansinnen des Vereins verschließen, nur die
Rahmenbedingungen müssen eben stimmen."
Hat es schon Gespräche mit Wolfgang Salewski aus der
Vorstandschaft der Schörghuber-Unternehmensgruppe
gegeben?
Demmel: "Nein, aus dieser Richtung
ist noch nichts gekommen."
Aber gerade in dieser Richtung ist beim EC Bad Tölz
noch viel Potenzial vorhanden, um sich positiv
darzustellen . . .
Demmel: "Das ist durchaus ein Thema. Wenn der Verein
in diese Richtung günstiger arbeiten würde, könnte er
sich ganz anders darstellen. Das ist jedoch mit Arbeit
verbunden. Aber mit dem neuen Stadion hat der Verein eine
historische Chance, von den Strukturen her in ein
zukunftsträchtiges Fahrwasser zu kommen. Und diese
Chance sollte der Verein nutzen, um das Maximale
herauszuholen."
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